
Zerebralparese (CP)
Bei der Zerebralparese, auch als Cerebralparese (CP) bezeichnet, handelt es sich um eine Schädigung des kindlichen Gehirns in frühen Entwicklungsphasen. Sie entsteht vor, während oder nach der Geburt und ist nicht heilbar. Durch unterschiedliche Behandlungsmethoden kann die Ausprägung jedoch gemildert werden. Die Zerebralparese zeigt eine große Bandbreite unterschiedlicher Schweregrade – von kaum merkbaren Symptomen bis zu schwerer Behinderung.
Unterschied Zerebralparese und infantile Zerebralparese
Die Zerebralparese ist eine permanente Bewegungsstörung, die durch Schädigung des frühkindlichen Gehirns entsteht. Sie ist dauerhaft, kann sich aber dennoch verändern. Der Begriff „infantile Zerebralparese“ benennt den Entstehungszeitraum der Zerebralparese: „infantil“ bedeutet „im Kindesalter“. Die Schädigung entsteht durch Komplikationen vor der Geburt (pränatal), um die Geburt herum (perinatal) oder bis zum Alter von zwei Jahren. Eine Hirnschädigung, die später entsteht, wird nicht mehr als Zerebralparese bezeichnet.
(Infantile) Zerebralparese Ursachen
Die Zerebralparese kann vor, während oder nach der Geburt entstehen – bis zum Alter von zwei Jahren. Deshalb wird sie auch „infantile Zerebralparese“ genannt. Dabei kommen für die Zerebralparese Ursachen unterschiedlicher Art infrage, die sich nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung unterscheiden.
Pränatale Ursachen (vor der Geburt)
- Sauerstoffmangel während der Schwangerschaft
- Plazentainsuffizienz oder vorzeitige Plazentaablösung
- Infektionskrankheiten
- Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente während der Schwangerschaft
- genetische Ursachen (selten)
Perinatale Ursachen (während der Geburt)
- Sauerstoffmangel während der Geburt, z. B. durch Nabelschnurkomplikationen
- Verletzungen bei der Geburt
- Hirnblutung
- Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Baby
- Bilirubinenzephalopathie (Kernikterus durch verstärkte Neugeborenengelbsucht)
Postnatale Ursachen (nach der Geburt)
- Infektionskrankheiten des Säuglings, z. B. Meningitis
- Sepsis (Blutvergiftung)
- Schädel-Hirn-Trauma
- Verletzungen
Zerebralparese Symptome
Zerebralparese-Symptome beim Baby sind oft schwer zu erkennen. Erste Hinweise können ein auffälliger Muskeltonus sein – ein Warnzeichen ist zum Beispiel, wenn sich das Baby beim Hochheben ungewöhnlich schlaff anfühlt. Deutlichere Anzeichen ergeben sich manchmal erst, wenn die motorische Entwicklung verzögert oder verändert abläuft: Betroffene Kinder lernen das Laufen zum Beispiel verspätet oder gar nicht, oder sie haben Schwierigkeiten beim freien Sitzen.
Weitere infantile Zerebralparese-Symptome sind
- Spastiken, auffälliger Muskeltonus oder Muskelkrämpfe
- unwillkürliche, schraubenartige Bewegungen
- Probleme mit Gleichgewicht und Koordination
- Zehenspitzengang oder anderweitig verändertes Gangbild
- Schwierigkeiten bei der Feinmotorik
- epileptische Anfälle
- Seh-, Sprach- und Hörstörungen
- Lernbehinderung
Zerebralparese Arten
Man unterscheidet bei der Zerebralparese 3 Formen, die einzeln oder in Kombination auftreten können. Die Ausprägung kann dabei sehr verschieden sein und reicht von einer leichten Zerebralparese, die kaum auffällt, bis zu schweren Behinderungen.
Spastische Zerebralparese
Etwa 75 % der Kinder mit Zerebralparese sind von der spastischen Form betroffen. Ungewöhnlicher Muskeltonus und Spastik beim Baby können Anzeichen für eine Zerebralparese der spastischen Form sein. Bei einer Spastik verkrampfen die Muskeln in einem typischen Muster. Die Spastik bei Zerebralparese betrifft Arme und Beine in unterschiedlicher Ausprägung:
- Tetraplegie – alle 4 Extremitäten
- Diplegie – beide Arme oder beide Beine
- Hemiplegie – Arm und Bein auf einer Körperseite
- Paraplegie – beide Beine
Athetotische oder dyskinetische Zerebralparese
Für die athetotische oder dyskinetische Zerebralparese sind automatisch ablaufende, langsame schraubenförmige Bewegungen charakteristisch. Die unwillkürlichen Bewegungen verstärken sich bei Aufregung und Stress, während sie im Schlaf und in Ruhephasen nicht auftreten. Die athetotische Zerebralparese ist häufig mit Sprachstörungen verbunden: Betroffenen Patient:innen fällt es dann schwer, Worte klar und deutlich auszusprechen.
Ataktische Zerebralparese
Die ataktische Zerebralparese ist gekennzeichnet durch Schwierigkeiten mit Koordination und Gleichgewicht. Die Bewegungen sind abgehackt und unkoordiniert, viele Patient:innen leiden unter Gangstörungen – zum Beispiel einem schwankenden, unsicheren Gang.
Gemischte Zerebralparese
Manche ICP-Patient:innen zeigen Anzeichen mehrerer Formen in Kombination. Besonders häufig ist das gleichzeitige Auftreten der spastischen und der athetotischen Form. Kinder mit kombinierten Formen der Zerebralparese sind außerdem oft intellektuell beeinträchtigt.
Diagnose
Erste Hinweise können Auffälligkeiten in der motorischen Entwicklung sein – zum Beispiel beim Greifen oder beim Laufen lernen, oder auch ein ungewöhnlicher Muskeltonus. Manche Babys wirken schlaff, andere auffallend steif. Machen sich Eltern Sorgen über die Entwicklung ihres Kindes, ist die kinderärztliche Praxis meist die erste Anlaufstelle. Im Anamnesegespräch werden zum Beispiel Fragen nach Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt gestellt sowie nach Infektionskrankheiten. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt bestehende Auffälligkeiten im Gehirn. Ergänzend können Bluttests und weitere Untersuchungen durchgeführt werden – wie eine Überprüfung der Nervenleitfähigkeit oder eine Elektromyographie der Muskeln.
Behandlung der Zerebralparese
Eine Zerebralparese ist nicht heilbar. Die Ausprägung kann sich jedoch im Laufe des Lebens verändern. Mit der passenden Behandlung und Versorgung sollen Symptome gelindert, die Beweglichkeit verbessert und die Selbstständigkeit gefördert werden: Medikamente, Logopädie, Ergo- und Physiotherapie kommen oft zum Einsatz – in manchen Fällen ist auch eine Operation hilfreich. Orthopädische Hilfsmittel unterstützen Sicherheit und Mobilität. Im Folgenden werden verschiedene Versorgungs- und Therapiemöglichkeiten näher erläutert.
Orthopädische Hilfsmittel bei Zerebralparese
Orthopädische Hilfsmittel bei Zerebralparese sollen die Selbstständigkeit unterstützen, Komplikationen verhindern und Fehlstellungen ausgleichen. Orthesen, Sensorisch Dynamische Orthesen und Bandagen werden häufig verordnet. Sie helfen dabei, die Gelenke zu unterstützen, Bewegungsfunktionen zu verbessern oder den Bewegungsumfang zu erhöhen. Meist werden sie individuell nach Maß gefertigt.
Gehhilfen sorgen für mehr Gangsicherheit. Dabei kommen Gehstöcke, Gehtrainer oder handgehaltene Gehhilfen infrage.
Rollstühle gibt es in verschiedenen Ausführungen – manuell oder elektrisch. Je nach Bedarf bieten sie unterschiedlich starke Unterstützung.
Der exopulse suit bei Zerebralparese soll Spastiken reduzieren und die Muskeln aktivieren. Dafür wird er täglich für eine Stunde getragen – der Effekt hält über die Tragezeit hinaus an.
Physiotherapie, Ergotherapie & Logopädie
Um Lebensqualität und Selbstständigkeit zu verbessern, kommt bei allen Formen der Zerebralparese, auch bei der spastischen Zerebralparese, Therapie unterschiedlicher Fachrichtungen zum Einsatz – je nach individuellem Bedarf.
Physiotherapie hilft, Bewegungsabläufe zu üben und die Kontrolle über die Muskulatur zu verbessern – zum Beispiel durch bestimmte Übungen oder Gangschulung. Das Ziel: mehr Selbstständigkeit.
Ergotherapie trainiert Aktivitäten des täglichen Lebens: Essen, Anziehen, Greifen, Schreiben – immer angepasst an die individuellen Fähigkeiten.
Logopädie setzt bei Sprachproblemen an – wie zum Beispiel einer undeutlichen Sprache. Außerdem kann an Schluckbeschwerden gearbeitet werden.
Zerebralparese im Erwachsenenalter
Generell gilt, dass die Mehrheit der Kinder mit Zerebralparese das Erwachsenenalter erreicht. Der Schweregrad der Beeinträchtigungen variiert bei Erwachsenen – ähnlich wie im Kindesalter – erheblich. Die Bandbreite ist groß: Sie reicht von Personen, bei denen die Zerebralparese kaum auffällt, bis zu schweren Behinderungen. Ziel bei der Zerebralparese ist es, durch individuell angepasste Therapien und Hilfsmittel ein möglichst hohes Maß an Selbstständigkeit zu erreichen.
Bei der infantilen Zerebralparese ist die Lebenserwartung von der individuellen Ausprägung abhängig. Leichter betroffene Patient:innen erreichen meist ein annähernd normales Lebensalter. Bei Personen mit schweren Beeinträchtigungen können jedoch Komplikationen auftreten, die sich manchmal lebensverkürzend auswirken – etwa eine schwere Lungenentzündung, deren Folgen zu den häufigeren Todesursachen zählen.
Hinweis
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Facharzt.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Zerebralparese?
Zerebralparese (ICP) ist eine nicht heilbare Schädigung des noch unreifen Gehirns. Sie entsteht vor, während oder nach der Geburt bis zum Alter von zwei Jahren. Die Ausprägung der Zerebralparese kann stark variieren und durch verschiedene Therapien gemildert werden.
Was sind die Ursachen einer Zerebralparese?
Zu den häufigsten Ursachen der Zerebralparese gehört der Sauerstoffmangel vor oder bei der Geburt. Auch Infektionskrankheiten, ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine Blutgruppenunverträglichkeit können eine Zerebralparese zur Folge haben.
Welche Symptome treten bei einer Zerebralparese auf?
Typisch für die Zerebralparese sind Bewegungsstörungen – etwa spastische Lähmungen oder unwillkürliche, schraubenartige Bewegungen. Daneben treten oft weitere Symptome wie Seh- und Hörstörungen oder Lernschwierigkeiten auf.
Wie wird eine Zerebralparese diagnostiziert?
Bei der Anamnese werden Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt erfragt. Ein MRT zeigt mögliche Hirnveränderungen, ergänzt durch Blutuntersuchungen, Nervenleitmessungen und Muskeltests.
Wie wird eine Zerebralparese behandelt?
Zerebralparese ist nicht heilbar. Verschiedene Therapien und Hilfsmittel können Symptome lindern, die Beweglichkeit fördern und die Selbstständigkeit stärken. Manchmal kommen auch Medikamente oder Operationen zum Einsatz.
Wie hoch ist die Lebenserwartung von Menschen mit Zerebralparese?
Die Lebenserwartung bei Zerebralparese hängt vom Schweregrad der Beeinträchtigungen ab. Leicht betroffene Personen leben meist genauso lange wie gesunde Menschen, während schwere Beeinträchtigungen das Risiko für lebensverkürzende Komplikationen erhöhen können.