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Multiple Sklerose

Veröffentlicht: 26.11.2024
Aktualisiert: 30.04.2026
Fachlich geprüft

Die Multiple Sklerose (MS) oder Encephalomyelitis disseminata (ED) gehört zu den Autoimmunerkrankungen. Typisch sind chronisch-entzündliche Veränderungen des zentralen Nervensystems in Gehirn und Rückenmark. Fehlgeleitete Immunzellen zerstören dabei die Myelinhüllen, die Schutzschicht der Nervenfasern. Mit der Zeit entstehen Vernarbungen im zentralen Nervensystem, die Sklerosen. MS ist eine Krankheit, die meist in Schüben auftritt und unterschiedliche neurologische Symptome verursacht.

Multiple Sklerose Ursachen

Die Entstehung von MS ist nicht genau geklärt – man geht davon aus, dass bei MS als Ursachen mehrere Faktoren zusammenkommen: individuelle Voraussetzungen und Umwelteinflüsse. MS ist nicht vererbbar, es besteht jedoch eine gewisse familiäre Häufung. Das bedeutet: Die Neigung, an Multiple Sklerose zu erkranken, wird vererbt, nicht jedoch die Erkrankung selbst. Es gibt Hinweise darauf, dass der Kontakt zu manchen Viren (z. B. Epstein-Barr-Virus) das Risiko einer MS-Erkrankung erhöhen kann, da die Viren das Immunsystem beeinflussen und Autoimmunerkrankungen entstehen können.

Wichtig zu wissen: Multiple Sklerose ist jedoch nicht ansteckend! Multiple Sklerose verteilt sich geografisch unterschiedlich: Das MS-Risiko sinkt in Äquatornähe und steigt weiter südlich und weiter nördlich. Die meisten Erkrankungen gibt es in Nordamerika und Nordeuropa.

Frau mit MS sitzt im Rollstuhl

MS-Symptome

Multiple Sklerose zeigt vielfältige Symptome. Sie reichen von Sehstörungen über Missempfindungen, Gangunsicherheit oder Schwindel bis zu Lähmungen. Weitere Anzeichen für MS können Inkontinenz, Erschöpfung, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme sein. Die MS-Symptome bei Frau und Mann unterscheiden sich nicht. Besteht beim ersten Auftreten verdächtiger Anzeichen der Verdacht auf Multiple Sklerose, können MS-Symptome in Tests ärztlich überprüft werden. Einen MS-Selbsttest gibt es nicht.

MS und erste Symptome

Multiple Sklerose-Symptome können zu Beginn stark variieren: Es gibt keine typischen Multiple Sklerose-Frühsymptome. Ein erster Schub kann völlig unerwartet auftreten. Symptome entwickeln sich dann schnell und akut, können sich aber auch schleichend bilden. Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Schwierigkeiten mit der Koordination oder Lähmungserscheinungen sind Warnsignale und sollten unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Weitere MS-Anzeichen

Weitere mögliche Anzeichen für Multiple Sklerose sind:

  • Lähmungserscheinungen an Armen, Beinen oder im Gesicht
  • Sehstörungen, unwillkürliche Augenbewegungen, Doppelbilder
  • Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, einschießende stromartige Gefühle
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und unsicherer Gang
  • Schmerzen
  • Inkontinenz oder Verstopfung
  • Schluckstörungen
  • verwaschene Sprache
  • Müdigkeit, Antriebsschwäche, Fatigue
  • Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Depression

Multiple Sklerose: die Diagnose

Die Diagnose der MS erfordert verschiedene Untersuchungen. Meist erfolgen die Tests auf Multiple Sklerose bei Neurolog:innen, die Betroffene bei Bedarf in andere fachärztliche Bereiche überweisen – zum Beispiel in die Radiologie für bildgebende Verfahren.

Frau hilft Mann mit MS an einem Barren zu gehen
Frau mit Schmerzen hält sich eine Hand an den Kopf.
Arzt zeigt einem Patienten seine Untersuchungsergebnisse.

Neurologische Untersuchungen

Bei der neurologischen Untersuchung wird die Funktion des Nervensystems überprüft:

  • Gleichgewicht und Koordination
  • Gangbild
  • Reflexe
  • motorische und sensorische Nerven
  • Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Orientierung und Stimmung

Magnetresonanztomografie (MRT)

In der Diagnostik einer MS ist MRT unverzichtbar. Bei der Magnetresonanztomografie werden mithilfe eines starken Magnetfelds Schichtbilder angefertigt, die Details in hoher Auflösung zeigen. So werden Nervenschäden, Entzündungsherde und Vernarbungen im Nervensystem sichtbar.

Mann liegt in einem MRT-Gerät

Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung)

Liquor – auch Nervenwasser genannt – ist eine klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt. Bei einer Lumbalpunktion wird unter örtlicher Betäubung ein wenig Liquor aus dem Rückenmarkskanal entnommen und untersucht. Diese Liquoruntersuchung gibt Aufschluss über Entzündungen im Nervensystem.

Lumbalpunktion

Evozierte Potenziale

Evozierte Potenziale zeigen an, wie gut und schnell ein Reiz von außen ins Gehirn weitergeleitet wird. Bei MS ist diese Nervenleitfähigkeit häufig verringert. Für die Untersuchung werden kleine Oberflächenelektroden verwendet, die leichte elektrische Reize erzeugen. Die Reaktion im Gehirn wird mit Klebeelektroden am Kopf gemessen.

MS: der Verlauf

Bei Multiple Sklerose kann der Verlauf stark variieren. MS wird deshalb auch „Krankheit der 1.000 Gesichter“ genannt. Man unterscheidet dabei zwischen drei wesentlichen Verlaufsformen:

Schubförmige relapsierende bzw. remittierende Multiple Sklerose (RMS)

Es treten wechselweise Schübe mit Verschlechterungen und Remissionen auf. Während der Remissionsphasen bilden sich Symptome ganz oder teilweise wieder zurück oder sie bleiben stabil. Schübe können durch einen Infekt ausgelöst werden oder ohne ersichtlichen Grund beginnen. Zwischen den Schüben kann die Remission über Monate und Jahre andauern.

Primär chronisch progrediente Multiple Sklerose (PPMS)

Hier handelt es sich um einen langsamen, fortschreitenden Verlauf der Erkrankung ohne plötzliche Ausschläge nach oben oder nach unten. Zeitweise kann der Verlauf auch stehen bleiben: Diese Phase wird als Plateau bezeichnet.

Sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS)

Diese Form startet mit dem schubförmigen Muster: Schübe wechseln sich ab mit Remissionsphasen. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem gleichmäßigen Voranschreiten.

MS-Behandlung

Multiple Sklerose ist nicht heilbar, es gibt jedoch unterschiedliche Möglichkeiten der Multiple Sklerose-Behandlung. Die Ziele sind: die Anzahl der Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Außerdem soll durch Behandlung von störenden Symptomen eine möglichst gute Lebensqualität erreicht werden.

Für die MS-Therapie stehen unterschiedliche Medikamente zur Verfügung: Im akuten Schub soll Kortison die Entzündung abmildern. Medikamente, die das Immunsystem modulieren, werden langfristig eingenommen, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Begleitend werden individuelle Symptome mit Physiotherapie, Krafttraining, Psychotherapie, Entspannungsmethoden oder neuropsychologischem Training behandelt.

Neue Hilfsmittel bei Multiple Sklerose – exopulse suit (ehemals Mollii Suit) – beeinflussen das Nervensystem über die sogenannte Neuromodulation.

Mann trägt einen Exopulse Suit

Aus Mollii Suit wird exopulse suit

Bei Multiple Sklerose kommen auch neue Hilfsmittel zum Einsatz – zum Beispiel der exopulse suit. Der exopulse suit arbeitet mit Neuromodulation: 50 integrierte Elektroden wirken direkt auf die Nerven und beeinflussen die Muskelspannung. So kann der exopulse suit Patient:innen mit motorischen Bewegungsstörungen infolge einer Spastik unterstützen. In 37 unterschiedlichen Größen passt der exopulse suit (zuvor Mollii Suit) Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen – bis zu 5XL. Wir sind die Fachleute für den exopulse suit in München und Umgebung.
Die Kolleg:innen in den Streifeneder Sanitätshäusern beraten Sie gerne. Melden Sie sich jederzeit bei uns, wenn Sie mehr zum Einsatz des exopulse suit bei MS wissen möchten.

exopulse suit testen

Hinweis

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Facharzt.

Häufig gestellte Fragen


Was ist eine Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung mit vielen unterschiedlichen Verlaufsformen. Sie gehört zu den chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen und hat Auswirkungen auf das Nervensystem.

Was sind die Ursachen von Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose entsteht multifaktoriell – das heißt, es kommen mehrere Faktoren zusammen: zum Beispiel eine vererbte Erkrankungsneigung, der Kontakt zu bestimmten Viren oder Umwelteinflüsse.

Welche Symptome treten bei Multiple Sklerose auf?

Multiple Sklerose äußert sich sehr unterschiedlich. Symptome können zum Beispiel Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Missempfindungen oder Gangstörungen sein.

Wie wird MS diagnostiziert?

Die Diagnostik für Multiple Sklerose erfordert eine neurologische Untersuchung und Tests, eine Liquoruntersuchung, Magnetresonanztomografie (MRT) und die Untersuchung der Nervenleitfähigkeit (evozierte Potenziale).

Wie wird MS behandelt?

Die Behandlung der MS stützt sich auf mehrere Säulen: die Modulation des Immunsystems, um Schübe zu reduzieren, Kortison gegen Entzündungen und die Behandlung der Symptome mit Physiotherapie, Kraft- und Entspannungstraining oder Psychotherapie. Ergänzend kommen neue Hilfsmittel wie der Mollii Suit zur Neuromodulation dazu.

Ist Multiple Sklerose heilbar?

MS ist nicht heilbar. Es gibt jedoch gute Möglichkeiten, die Symptome zu behandeln und Schübe so gut wie möglich zu reduzieren.

Ist MS vererbbar?

Multiple Sklerose ist nicht vererbbar. Für die Neigung, an Multiple Sklerose zu erkranken, besteht jedoch eine familiäre Häufung. Das bedeutet aber nicht, dass jede:r mit dieser Neigung an Multiple Sklerose erkrankt.

Ist MS tödlich?

Multiple Sklerose ist nicht tödlich. Mit der individuell angepassten Therapie kann außerdem die Lebensqualität so gut wie möglich verbessert werden.

Wie ist die Lebenserwartung im MS Verlauf?

Statistische Erhebungen geben bei Multiple Sklerose eine nur leicht verringerte Lebenserwartung an. Daraus lässt sich allerdings keine individuelle Lebensdauer ablesen – diese hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab.

Welche Blutwerte sind bei MS auffällig?

Bei einer Blutuntersuchung können unterschiedliche Erkrankungen festgestellt werden. Es gibt jedoch keine spezifischen Marker im Blut, die auf Multiple Sklerose hinweisen.

Quelle

AWMF S2k‑Leitlinie (Reg.-Nr. 030‑050): Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis‑optica‑Spektrum‑Erkrankungen und MOG‑IgG‑assoziierte Erkrankungen. Stand: Dezember 202. Zur Detailansicht